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SAP S/4HANA‑Migration – Brownfield, Greenfield oder Selective Data Transition?

Die digitale Transformation ist in vollem Gange – und mit dem angekündigten Ende der SAP-ECC-Wartung wird die Migration auf SAP S/4HANA zu einer Pflichtübung statt einer langfristigen Option.

SAP hat bestätigt, dass die Mainstream-Wartung für SAP ECC Ende 2027 endet, mit der Möglichkeit einer kostenpflichtigen Verlängerung bis 2030 (Quelle: LeanIX – https://www.leanix.net/en/wiki/tech-transformation/sap-s4hana-transformation


Bereits Ende 2025 verlieren viele Unternehmen außerdem die sogenannten Compatibility Packs, die es bisher erlaubten, bestimmte ECC-Funktionalitäten in S/4HANA weiterzuführen



Kurz gesagt: Das Zeitfenster wird enger. Doch welcher Weg nach S/4HANA ist der richtige? Im Kern gibt es drei mögliche Ansätze:

  1. Brownfield – die Systemkonvertierung

  2. Greenfield – der komplette Neustart

  3. Selective Data Transition – das Beste aus beiden Welten

Dieser Beitrag erklärt alle drei Modelle verständlich, neutral und mit echtem Mehrwert für Entscheider.



Warum eine Migration auf S/4HANA unvermeidbar ist


1. Wartungsende & steigende Kosten

Nach 2027 (bzw. 2030 mit Extended Support) gibt es keine Sicherheits-, Stabilitäts- oder Funktionsupdates mehr für ECC. Gleichzeitig steigen die Wartungsgebühren.

2. Veraltete Technologie

ECC basiert auf einer klassischen Datenbankstruktur, während S/4HANA auf der In-Memory-Datenbank HANA läuft.Das ermöglicht Echtzeit-Analysen, schnellere Prozesse und moderne Automatisierungen.

3. Neue SAP-Frühwarnfristen

Mit dem Wegfall der Compatibility Packs 2025 entstehen zusätzliche Risiken bei Integrationen und Modulen.

4. Wettbewerbsvorteile

Unternehmen, die früh wechseln, modernisieren ihre Prozesse, reduzieren Komplexität und schaffen neue Innovationspotenziale.


Brownfield – die technische Systemkonvertierung


Beim Brownfield-Ansatz wird das bestehende ECC-System technisch zu S/4HANA konvertiert. Daten, Customizing und viele Prozesse bleiben erhalten.


Vorteile

  • Schneller & risikoärmer: Kürzere Projektlaufzeit, oft mit geringerer Ausfallzeit.

  • Geringere Kosten zu Beginn: Weniger Prozessneugestaltung notwendig.

  • Historische Daten bleiben erhalten: Wichtig für Compliance & Reporting.

Nachteile

  • Altlasten bleiben bestehen: Ineffiziente Prozesse oder technische Schulden wandern mit.

  • Begrenzte Optimierung: Große Prozessinnovationen sind schwieriger.

Ideal für Unternehmen, die:

✔ ein stabiles ECC-System haben

✔ unter Zeitdruck stehen

✔ Prozesse weitgehend beibehalten möchten



Greenfield – der komplette Neustart


Beim Greenfield-Ansatz wird das System komplett neu implementiert. Bestehende Daten werden selektiv oder bereinigt übernommen.

(Quelle SEIDOR – siehe Link oben)

Vorteile

  • Sauberer Neustart: Veraltete Prozesse, Sonderentwicklungen oder Workarounds entfallen.

  • Best Practices: S/4HANA-Prozesse können „out of the box“ genutzt werden.

  • Zukunftssicherheit: Optimale Grundlage für KI, Analytics und Prozessautomatisierung.

Nachteile

  • Kostenintensiv: Hoher Projektaufwand und Ressourcenbedarf.

  • Change Management: Mitarbeitende müssen sich stärker an neue Abläufe gewöhnen.


Ideal für Unternehmen, die:

✔ stark gewachsene, fragmentierte Prozesse haben

✔ auf moderne Best Practices umstellen wollen

✔ mehrere Einheiten harmonisieren möchten



Selective Data Transition (Bluefield) – das Beste aus beiden Welten


Dieser hybride Ansatz kombiniert Konvertierung und Neuimplementierung:Ein neues S/4HANA-System wird aufgebaut und nur ausgewählte Daten, Prozesse oder Org-Strukturen übernommen.


Vorteile

  • Bis zu 60 % schnellere Migration laut Providers (siehe SEIDOR-Quelle oben).

  • Minimaler Ausfall: Paralleles Arbeiten möglich.

  • Flexibel: Unternehmen entscheiden, welche Daten übernommen werden.

  • Ideal für komplexe Organisationen: M&A, Carve-Outs, Reorganisationen.

Nachteile

  • Planungsintensiv: Erfordert eine sehr gute Analysephase.

  • Spezialtools nötig: Oft kommen Softwarelösungen von Drittanbietern zum Einsatz.

Ideal für Unternehmen, die:

✔ gezielt modernisieren möchten

✔ komplexe Anforderungen haben

✔ bestimmte historische Daten benötigen



Welcher Ansatz ist der richtige? – Entscheidungsleitfaden

Kriterium

Brownfield

Selective Data Transition

Greenfield

Geschwindigkeit

⭐⭐⭐⭐

⭐⭐⭐⭐

⭐⭐

Kosten

⭐⭐⭐⭐

⭐⭐⭐

⭐⭐

Modernisierungsgrad

⭐⭐

⭐⭐⭐⭐

⭐⭐⭐⭐⭐

Datenhistorie bewahren

⭐⭐⭐⭐⭐

⭐⭐⭐⭐⭐

Geeignet bei komplexen Systemen

⭐⭐

⭐⭐⭐⭐⭐

⭐⭐⭐


Die typischen Schritte einer S/4HANA-Migration


  1. Vorstudie & Readiness Check(Empfohlenes Tool: SAP Readiness Check – https://support.sap.com

  2. Fit-Gap-Analyse Welche Prozesse bleiben bestehen? Welche sollen modernisiert werden?

  3. Custom Code Adaptation Viele Eigenentwicklungen funktionieren unter S/4HANA nicht unverändert.

  4. Data Migration Strategy Historische Daten? Selektiv? Nur Stammdaten?

  5. Testphase & Qualitätssicherung Simulationen, Integrationstests, End-to-End-Prozesse.

  6. Change Management & Schulung Prozessneugestaltung erfordert Akzeptanz bei Anwendern.



Fazit: S/4HANA ist keine reine IT-Migration, sondern eine Transformation


Brownfield = schnell, risikoarm, aber mit Altlasten.

Greenfield = modern, zukunftssicher, aber teuer und länger.

Selective Data Transition = flexibel, schnell, ideal für komplexe Unternehmensstrukturen.


Jetzt ist der beste Zeitpunkt, um die Migration vorzubereiten – bevor Ressourcen am Markt knapp werden und bevor Deadlines zu echten Risiken führen.

 
 
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